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Hospiz- und
PalliativVerbandes e.V.

 

Letzte Aktualisierung: 15.02.2012

   

Vorbereitungskurs für Ehrenamtliche im Hospizdienst
„Verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.“  

  1. Warum Hospizhelfer?

  2. Organisatorisches

  3. Voraussetzungen zur Teilnahme am Hospizhelferkurs im HVB

  4. Die Struktur des Grundkurses  

  5. Die Struktur des Praktikums

  6. Die Struktur des Vertiefungskurses


1. Warum Hospizhelfer?

Die Begleitung Schwerkranker und Sterbender geht uns alle an. Es gehört zu den Grundbedingungen wahrhaft menschlichen Lebens, einander in den Grenzerfahrungen von Geburt und Tod nicht allein zu lassen.

Über viele Jahrhunderte hat es zu den selbstverständlichen Pflichten der Gemeinde gehört, ihre Kranken auf dem letzten Weg zu begleiten. Im Zuge der Tabuisierung des Todes und seiner Verdrängung aus unserem Alltagsumfeld ist viel von dieser Selbstverständlichkeit verloren gegangen.

Beides, die Einsamkeit und Anonymität des Sterbens in Institutionen und die Überforderung vieler Angehöriger bei der Pflege zu Hause, hat dazu geführt, dass die Begleitung Sterbender heute wieder als eine Gemeinschaftsaufgabe entdeckt wird.

 

„Sie sind wichtig, weil Sie eben sind.
Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig,
und wir werden alles tun,
damit Sie nicht nur in Frieden sterben,

sondern auch bis zuletzt leben können.“

(Cicely Saunders)

   

2. Organisatorisches

In der Regel bietet der HVB jährlich einen Hospizhelferkurs an, der in drei Einheiten gegliedert ist: Grundkurs - Praktikum - Vertiefungskurs. Grund- und Vertiefungskurs bestehen aus  20 - 22 Einheiten a 2,5 Stunden. Näheres zum Kursinhalt siehe weiter unten.

Die Kurse werden jeweils von 2 Kursleiterinnen des HVB geführt, die eine Weiterbildung zur „Multiplikatorin nach dem VELKD-Modell“ absolviert haben.

Das Curriculum der Vorbereitungskurse für die HospizhelferInnen orientiert sich am Kursleitungs-Handbuch zur Begleitung Schwerkranker und Sterbender: „Verlass mich nicht, wenn ich schwach werde“ von Andreas Ebert und Peter Godzik, E.-B.-Verlag Hamburg.

Anmeldungen zu Hospizhelferkursen werden in der Geschäftsstelle entgegengenommen. Die Interessenten werden dann zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Selbstverständlich können Interessenten auf Wunsch auch Einzelgespräche mit einer Kursleiterin führen. Die Kurse sind kostenlos, allerdings wird erwartet, dass die Teilnehmer Vereinsmitglieder werden. Spenden sind natürlich herzlich willkommen.

Nach Abschluss des Kurses werden die HospizhelferInnen für Sterbe- und Trauerbegleitungen eingesetzt, wobei persönliche Schwerpunkte der HospizhelferInnen berücksichtigt werden. Die Einsätze werden, in sich ergänzender Zusammenarbeit, von der Koordinatorin und den Kursleiterinnen/der Palliative-Care-Fachkraft koordiniert. Dazu gehört auch die Vermittlung von und Kooperation mit anderen Hilfsdiensten, Ärzten, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen.

In der Regel sind 2/3 der HospizhelferInnen im Einsatz und legen nach einer abgeschlossenen Sterbe- oder Trauerbegleitung eine Pause von selbstbestimmter Dauer ein.

In 4-wöchentlichem Turnus treffen sich die HospizhelferInnen kursweise unter Leitung einer Supervisorin und einer Kursleiterin zu Supervisionen, Fallbesprechungen und kollegialer Beratung. Die HospizhelferInnen bereiten diese Abende z.T. selber vor, halten gegenseitig Vorträge und bieten Meditationen an.

Einmal jährlich bietet der HVB den HospizhelferInnen „Einkehrtage“ in Seminarhäusern an, in denen die HospizhelferInnen unter fachlicher Begleitung „seelisch auftanken“ können.

Die HospizhelferInnen erhalten regelmäßig Fortbildungen zu Themen wie z.B.:

  • Schmerztherapie und Symptomkontrolle

  • Kommunikation und Selbsterfahrung

  • Rituale in der Sterbebegleitung und Trauerarbeit

  • Einblick in andere (soziale) Dienste (z.B. Pflegedienst, Bestattungsunternehmen, Seniorenberatungsstellen)

  • Sterben und Trauer in anderen Kulturen und Religionen.

Die Sterbe- und Trauerbegleitungen werden von den HospizhelferInnen dokumentiert und von der Koordinatorin statistisch erfasst. Bei den Jahreshauptversammlungen werden die Zahlen den Mitgliedern vorgetragen. Darüber hinaus ist die anonymisierte Statistik für Mitglieder und Interessierte in der Geschäftsstelle einsehbar.

Der HVB beteiligt sich an der bundesweiten standardisierten Dokumentation der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz.

 

3. Voraussetzungen zur Teilnahme am Hospizhelferkurs im Hospiz-Verein Bergstraße e.V. 

Im Kurs „Sterbende begleiten“ wenden wir uns als Gruppe wichtigen und essentiellen Themen unseres Lebens und Sterbens zu. Die Teilnehmer übernehmen später, wenn sie in der Sterbebegleitung tätig sind, eine große Verantwortung und sind vielfältigen Problemen, Krisen und Schwierigkeiten ausgesetzt. Natürlich erleben sie auch viel Schönes und vor allem Bereicherndes.

Die Kursleiterinnen haben eine große Verantwortung für die Ehrenamtlichen. Sie müssen sie sinnvoll und einfühlsam einsetzen und in ihrer Tätigkeit begleiten. Sie müssen sie schulen, fortbilden, begleiten und manchmal auch vor sich selber schützen: vor dem Ausbrennen bewahren oder durch Gespräche und Supervision entlasten. 

Daher ist es wichtig, dass die zukünftigen HospizhelferInnen sehr sorgfältig und verantwortungsbewusst ausgewählt werden. 

Was wir bieten:

  • einen in sich geschlossenen und in seinen Schritten aufeinander aufbauenden Kurs

  • einen Lernprozess in der Gruppe für den Einzelnen

  • einen geschützten Raum, in dem Gefühle, Erinnerungen, Ideen, Eindrücke etc. ihren Platz haben und Vertrauen wachsen kann

  • die Gruppe als tragfähige Gemeinschaft

  • eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie, der eigenen Spiritualität, aber auch Schwerem in unserem Leben

  • eine umfangreiche Sammlung an schriftlichem Material, Kopien, Meditationstexten, Infobroschüren etc.

  • innerhalb und nach der Schulung Fortbildungen, Seminare, Vorträge, Einkehrtage und Unterstützung vielfältiger Art.

Was wir erwarten:

  • Der/die Bewerber/in soll die Bereitschaft mitbringen

  • sich auf das christliche Leitbild einzulassen

  • sich mit sich selbst auseinanderzusetzen

  • sich der praxisbegleitenden Reflexion zu stellen

  • sich auf das Lernen in der Gruppe einzulassen (Partner- und Kleingruppenarbeit)

  • regelmäßig und verbindlich an den Veranstaltungen teilzunehmen (Ehrenamt hat nichts mit Beliebigkeit zu tun!)

  • nach Abschluss der Schulung als ehrenamtliche/r Helfer/in für den Verein tätig zu sein - d.h. insbesondere über dementsprechende Zeitressourcen zu verfügen.

  • Aus versicherungsrechtlichen Gründen (Unfall auf dem Weg zum Gruppenabend oder zum Patienten, Haftpflicht etc.) ist eine Mitgliedschaft im Hospizverein Voraussetzung für die Teilnahme.

  • Für die Materialkosten, die während des Kurses entstehen, erheben wir eine Pauschale von 60 €.

 

Daher sollten die Teilnehmer neben einer großen Sensibilität auch über ein hohes Maß an Belastbarkeit verfügen. 

Was der Kurs nicht ist:

  • Der Kurs ist KEINE Therapiegruppe für Menschen, die eigentlich eine Psychotherapie oder Gesprächstherapie bräuchten.

  • Er ist KEINE Trauergruppe.

  • Er ist KEIN Familienersatz für Menschen, die zu Hause keinen Rückhalt haben und ein Stück Heimat suchen.

  • Er ist KEINE Fortbildungsveranstaltung für Personen, die in ihrem beruflichen Umfeld mit Schwerkranken und Sterbenden zu tun haben und nicht vorhaben, ehrenamtlich für den Verein tätig zu sein.

Bedenken Sie; ein Hospizdienst kann nur bestehen, wenn ihm wirklich Ehrenamtliche zur Verfügung stehen.

Ausschlusskriterien:

  • Mitgliedschaft in einer Organisation, die sich für aktive Sterbehilfe einsetzt

  • Mitgliedschaft in einer Sekte und in diesem Zusammenhang übergroßes religiöses Sendungsbewusstsein (wir sind keine Missionierungsgruppe!!!)

  • laufende oder geplante Psychotherapie, psychiatrische Erkrankung, insbesondere  Depression oder Sucht

  • bevorstehende gravierende Veränderung der Lebenssituation (Umzug, andere Aufgaben, weitere Ausbildung) 

 

4. Die Struktur des Grundkurses

Wahrnehmen

  • sich gegenseitig kennen lernen,

  • Erfahrungen austauschen,

  • Grundmuster der Wahrnehmung erkennen.

Mitgehen

  • Spüren, wie wohltuend Begleitung sein kann,

  • den Weg des Sterbenden verstehen,

  • ihn begleiten.

Zuhören

  • Die Bedürfnisse Sterbender beachten,

  • aktives Zuhören lernen.

Verstehen

  • Die „Sprache der Sterbenden“ verstehen, 

  • sich einfühlen können.

 Weitergehen

  • Wie soll das weitergehen?

  • Krisen wahrnehmen,

  • Kräfte realistisch einschätzen.

 Bleiben

  • Einander nahe sein können,

  • pflegen, trösten, beistehen, da sein.

 Loslassen

  • Abschiede im Leben und im Sterben wahrnehmen, einüben, gestalten.

Aufstehen

  • Einen eigenen Weg weitergehen,

  • auf Veränderungen achten,

  • Hoffnung, Trauer, Veränderung.

 

5. Die Struktur des Praktikums

Nach der Einführungsphase gehört zum Projekt „Sterbende begleiten“ ein ca. sechsmonatiges Praktikum im Besuchsdienst.

In dieser Zeit besuchen die Kursteilnehmer  regelmäßig (ein- bis zweimal pro Woche) einen schwerkranken oder sterbenden Menschen zu Hause oder im Altenheim.

Alle vier Wochen trifft sich die Gruppe mit dem Leitungsteam zur Fallbesprechung und zum Erfahrungsaustausch.

Bei den Besuchen können Gesprächsprotokolle erstellt werden, die die Reflexion des Erlebten erleichtern.

Während der Zeit des Praktikums wird die theoretische Vorbereitung auch durch einige praktische Übungen in der Krankenpflege ergänzt, ohne den Anspruch, professionell pflegend tätig werden zu können, sondern um Berührungsängste und einer Überforderung in der Begegnung mit schwerkranken Patienten vorzubeugen.

  

6. Die Struktur des Vertiefungskurses

gerufen –
Was/wer ruft uns in eine bestimmte Situation, veranlasst uns etwas zu tun? ...

gefragt –
In der Sterbebegleitung sind wir nach unseren Möglichkeiten und Ressourcen gefragt

bedacht –
Wer sind wir? Was „lähmt“ uns? Wem geben wir uns zu erkennen bzw. können wir uns zu erkennen geben?

gelöst –
Was ist Befreiung? Wer kann Lasten von uns nehmen? Wie können wir Entlastung gewähren?

gedeutet –
Wie deuten wir, was geschieht? Vor welchem Hintergrund verstehen wir einen anderen Menschen, versteht er sich selbst?

begrenzt –
Auf welche Grenzen stoßen wir bei uns und bei anderen – und wie gehen wir mit ihnen um.

entdeckt –
Wir entdecken was verdeckt – bei uns und anderen

bewegt –
Was bewegt uns am Ende des Kurses – am Ende einer Begleitung?