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Wie
das Wasser
Herr, lass mich sein, wie das Wasser ist!
Wasser ist völlig widerstandslos und überwindet doch den stärksten
Widerstand.
Wie immer die Gestalt eines Gefäßes auch sein mag, das Wasser passt sich
dieser Form an.
Und doch formt nichts
anderes so intensiv wie das Wasser.
Denn es war das Wasser, das den Kontinenten die Form gab.
Wasser arbeitet, aber es strengt sich niemals an.
Es kann eine Mühle
antreiben oder eine Stadt erleuchten, aber es wird niemals müde.
Wasser ist farblos.
Aber was ist ein
Regenbogen anderes als Wasser?
Wasser ist geschmacklos, aber ohne Wasser würde nichts schmecken.
Wasser lehrt uns Demut, denn es sammelt sich stets am niedrigsten Punkt,
und doch beugt sich selbst der Mächtigste zu ihm herab, um zu trinken.
Herr, lass mich sein wie das Wasser ist.
So formbar und so formend - und so demütig.
Gebet
eines älter werdenden Menschen
O Herr, du weißt besser
als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.
Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema
etwas sagen zu müssen.
Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer
ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht
diktatorisch) zu sein.
Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade,
sie nicht weiterzugeben – aber du verstehst, O Herr, dass ich mir ein
paar Freunde erhalten möchte.
Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir
Schwingen, zur Pointe zu gelangen.
Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu
Jahr.
Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krankheitsschilderungen anderer
mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.
Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
Erhalte mich so liebenswürdig wie möglich.
Ich möchte kein Heiliger sein – mit ihnen lebt es sich so schwer -,
aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.
Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und
verleihe mir, O Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.
(Donna Teresa Maria
Sanches de Cepeda y Ahumada (1515-1582), allgemein bekannt unter dem Namen
Theresia von Avila)
Gebet
Ich bitte nicht um Wunder
und Visionen, Herr, sondern um die Kraft für den Alltag.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Ich bitte um Kraft für
das rechte Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den
Tageslauf bewusst wahrnehme, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte und
Raum finde für Augenblicke der Stille.
Lass mich erkennen, dass
Grübeln nicht weiterhilft, weder über die Vergangenheit noch über die
Zukunft. Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige
Stunde als die wichtigste zu erkennen.
Bewahre mich vor der
Erwartung, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die
Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und so genannte
Rückschläge eine hilfreiche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen
und reifen.
Schicke mir im rechten
Augenblick jemanden, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen
und lass mich deine Wahrheit aus meinem Innersten hören.
Ich weiß, dass sich
viele Probleme auch dadurch lösen können, dass ich nichts tue. Zeige
mir, wo ich warten soll und gib mir die Geduld und das Vertrauen dazu.
Du weißt, wie sehr wir
der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten,
schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschäft des Lebens gewachsen
bin.
Verleihe mir die nötige
Wachsamkeit, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte – mit oder ohne
Worte – an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen
Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen,
die "unten
sind.
Bewahre mich vor der
Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche,
sondern was ich brauche.
Lehre
mich die Kunst der kleinen Schritte.
Lass mich jeden Tag Dich
in mir spüren. So können auch die anderen Dich durch mich erfahren und fühlen,
dass Du in uns allen bist, bei jedem kleinen Schritt.
(nach
Antoine de Saint-Exupéry)
Ich
möchte gerne Brücken bauen,
wo
tiefe Gräben nur zu sehen.
Ich möchte hinter Zäune schauen
und über hohe Mauern gehen.
Ich
möchte nicht zum Mond gelangen,
jedoch zu meines Feindes Tür.
Ich möchte keinen Streit anfangen,
ob Friede wird, das liegt an mir.
Ich
möchte gerne wieder reden,
wo vorher eisig Schweigen war;
und Blicke sollen nicht mehr töten,
und Neid und Gier fehl ganz und gar.
Ich
möchte gerne Hände reichen,
wo harte Fäuste sich geballt.
Ich suche unablässig Zeichen
des Friedens zwischen Jung und Alt.
Herr
gib mir Mut zum Brücken bauen,
gib mir Mut zum ersten Schritt.
Lass mich auf deine Brücken trauen,
und wenn ich gehe, geh du mit.
(Die
Zeilen stammen aus einem Lied: „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“ aus
dem Jahre 1963.
Der Text stammt von Kurt Rommel, die Musik von Paul Gerhard Walter.
Für diesen Hinweis bedanken wir uns bei Johann-Christian Leye und
Wolfgang Koch.
Bei Brigitte Koring bedanken wir uns für
folgenden Hinweis:
Das Lied "Herr gib mir Mut zum Brückenbauen, gib mir den Mut zum
ersten Schritt" ist von einem sehr bekannten Liederdichter: Kurt Rommel
ist ein württembergischer Pfarrer und hat allein im Evangelischen
Gesangbuch für die Evgl. Landeskirche in Württemberg zahlreiche Lieder
veröffentlicht (die Nummern 57, 168, 425, 401, 644, 649).
Das genannte Lied wurde 1963 gedichtet, von Paul Bischoff 1965 vertont
und steht unter der Nummer 649.
Es ist in Ihrer Sammlung auch nicht 100%ig korrekt wiedergegeben.
Ob die Fassung, die im Württembergischen Gesangbuch steht, die
"richtige" ist, kann ich nicht beurteilen;
es sind kleine Abweichungen - und in Ihrer Version ist eine Strophe mehr
enthalten.
Die Variationen sind folgende: "Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen " ist
die erste und fünfte Strophe.
2. Str.: Ich möchte gerne Brücken bauen, wo alle tiefe Gräben sehn...
3. Str.: Ich möchte gern dort Hände reichen, wo jemand harte Fäuste
ballt...
4. Str.: Ich möchte nicht zum Mond gelangen... )
Zeichen
Deiner Liebe
Herr, wieder hast du ein
Zeichen Deiner Liebe gegeben, durch einen Menschen.
Wie ein Sonnenstrahl, der
sich durch die Wolken einen Weg gesucht hat, überraschte er mich mit
einer Geste, die zeigte, dass man im Innersten verstanden wurde. Ein
Verstehen ohne Worte. Diese Momente sind kostbarer als Perlen, weil der
Alltag oft so überlastet ist mit dem Wesen fremden Dingen.
(Johanna Arlt)
Hilf
Herr!
HERR, ich bin krank und
hilflos, abhängig von Ärzten und Apparaturen. Die natürliche
Nahrungsaufnahme ist mir versagt, Flüssigkeiten und Schläuche müssen
sie ersetzen.
Ausgeliefert bin ich,
HERR, hungrig und durstig. Mir wird bewusst, wie lebensnotwendig das
Stillen dieser Bedürfnisse ist, der Geschmack und die Gerüche, die mich
vom Nachbarn erreichen. Dieses Gefühl, es nicht haben zu können, was
bisher selbstverständlich war, schürt die Verzweiflung. Der Zorn nagt an
mir. Warum.....?
Ich hadere mit meinem
Geschick, und ich hadere auch mit Dir, HERR.
Sollte das etwas sein,
wofür ich Dir dankbar sein soll, diese Wunde in mir? Wird die Wunde im
Inneren heilen?
Ja, das ist das, worauf die Ärzte warten. Ich will still sein. Ich möchte
spüren, wie DU HEILKRAFT wirkst in mir.
Du bist ja da, und ich
bin nicht allein. Mein Hunger und mein Durst sind groß, sie sehnen sich
nach Erfüllung.
Fülle meine dürstende
Seele, HERR, mit deinem Frieden, dass ich spüre, dass nur Du Erfüllung
schenkst und mir Fülle schenken möchtest.
Ich bin ganz leer, Herr,
du darfst mich erfüllen. Ich danke Dir, dass Du es tust, dass meine Abhängigkeit
von dir mir Deine Liebe garantiert.
(Johanna Arlt)
Begegnung
HERR, Du begegnest uns in
Menschen. Doch wir dürfen dich nicht in Menschen suchen. Die Strahlen,
die wir in der Begegnung spüren, sind von Dir.
O, lass uns doch
wahrnehmen, dass Du es bist, der uns anruft, damit wir ganz Dein werden.
(Johanna Arlt)
An
unerträglichen Tagen
Herr,
mein Gott, es gibt Tage, an denen alles versandet ist:
die Freude, die Hoffnung, der
Glaube, der Mut.
Es gibt Tage, an denen ich meine Lasten nicht mehr zu tragen vermag:
Meine Krankheit, meine Einsamkeit, meine ungelösten Fragen, mein
Versagen.
Herr, mein Gott, lass mich an solchen Tagen erfahren, dass ich nicht
allein bin,
dass ich nicht durchhalten muss aus eigener Kraft,
dass du mitten in der Wüste einen Brunnen schenkst
und meinen übergroßen Durst stillst.
Lass mich erfahren, dass du alles hast und bist, dessen ich bedarf.
Lass mich glauben, dass du meine Wüste in fruchtbares Land verwandeln
kannst.
(Sabine
Naegeli)
Gelassenheit
erbeten
Ich lasse mich dir, Herr, und bitte: Mache
ein Ende all meiner Unrast.
Meinen Willen lasse ich dir. Ich glaube
nicht, dass ich selbst verantworten muss, was ich tue und was durch mich
geschieht. Führe du mich und zeig mir deinen Willen.
Meine Gedanken lasse ich dir. Ich glaube
nicht, dass ich so klug bin, mich selbst zu verstehen, diese ganze Welt,
das Leben und die Menschen. Ich muss sie nicht verstehen. Lehre mich nur,
deine Gedanken zu denken.
Meine Pläne lasse ich dir. Ich glaube
nicht, dass mein Leben darin seinen Sinn findet, dass ich alles erreiche
von meinen Plänen. Du hast einen besseren Plan für mich. Ich vertraue
deinem Plan, denn du kennst mich.
Meine Sorgen um die anderen Menschen lasse
ich dir. Ich glaube nicht, dass meine Sorgen daran viel ändern können.
Ich vertraue mich deiner guten Sorge an. Alles liegt in deinen Händen.
Alle ungelösten Fragen, alle Mühe mit mir
selbst, alle verkrampften Hoffnungen lass ich dir. Ich gebe es auf, gegen
verschlossene Türen zu rennen und warte auf dich. Du wirst kommen.
Meine Angst vor der Stärke der anderen
lasse ich dir. Meine Furcht vor meinem Versagen lasse ich dir. Ich brauche
kein erfolgreicher Mensch zu sein, wenn ich nur ein gesegneter Mensch bin,
einer, der in deinem Willen steht.
Ich lasse mich dir. Ich gehöre dir. Du
hast mich in deiner guten Hand. Ich danke dir.
(Pater Matthias Utters
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