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wussten
sie schon
dass die nähe eines menschen
gesund machen
krank machen
tot und lebendig machen kann
wussten
sie schon
dass die nähe eines menschen
gut machen
böse machen
traurig und froh machen kann
wussten sie schon
dass das wegbleiben eines menschen
sterben lassen kann
dass das kommen eines menschen
wieder leben lässt
wussten
sie schon
dass die stimme eines menschen
einen anderen menschen
wieder aufhorchen lässt
der für alles taub war
wussten
sie schon
dass das wort
oder das tun eines menschen
wieder sehen machen kann
der nichts mehr sah
der keinen sinn mehr sah
in dieser welt und in seinem leben
wussten
sie schon
dass das zeithaben für einen menschen
mehr ist als geld
mehr als medikamente
unter umständen mehr
als eine geniale operation
wussten
sie schon
dass das anhören eines menschen
wunder wirkt
dass das wohlwolen zinsen trägt
dass ein vorschuss an vertrauen
hundertfach zurückkommt
wussten
sie schon
dass tun mehr ist als reden
aber dass man manchmal
einfach nur aushalten kann
wussten sie das alles schon
und wussten sie auch schon
dass der weg vom wissen über das reden
zum tun oder zum lassen
interplanetarisch weit ist
(Wilhelm
Willms, 1977)
Ich bin
umgezogen. Ihr übrigens auch - neulich Nacht!
Aus dem alten, bekannten Haus in ein neues, noch völlig fremdes.
Noch hat dieses Haus nur eine Zahl, an die wir uns auch erst gewöhnen müssen
- 2004. Und auch wenn wir mit unseren vielen festgeschriebenen Plänen
ganz anders tun - in Wahrheit kennen wir noch keinen einzigen der Räume
in diesem Haus. Wir können sie uns noch nicht mal aussuchen und werden
uns doch in ihnen einrichten müssen.
Da bin ich nun, auf der Schwelle zum Neuen mit meiner Umzugskiste. Was
habe ich nicht alles mitgenommen! Vieles, was ich zum Leben brauche, natürlich.
Und einiges, vielleicht ohne praktischen Nutzen, aber es gehört doch zu
mir, zu meiner Geschichte: Erinnerungen, Begegnungen. Aber da ist auch
manches in meiner Kiste ungeordnet, abgebrochen, belastend. Vielleicht ist
ja jetzt gerade noch Zeit zum Sortieren, aber auch zum Wegwerfen. Bevor
ich mich wieder unnötig einenge im neuen Haus.
Viel nehme ich mit bei diesem „Wandern von einem
J
ahr zum andern“. Vor allem auch mich selbst, meine Pläne und Träume -
auch meine Ängste.
Dabei ist meine Umzugskiste hier trotz allem noch recht leicht. Da gibt es
andere hier im Eingang zum neuen
J
ahr, die sind fast zu schwer zum Tragen, und trotzdem können sie nicht
einfach zurückgelassen werden. Bis oben hin voll sind sie mit Sorgen um
Krankheit oder Tod, mit Ängsten, Schmerz und Leid.
Auf meiner Kiste hier steht: “Umzug ist Vertrauenssache“. Ich finde da
ist was dran! Mit allem, was zu mir gehört, möchte ich gut aufgehoben
sein. Das gilt auch für meinen Umzug ins neue
J
ahr - wenn ich nicht weiß, ob die unbekannten neuen Räume mich
freundlich oder feindlich empfangen, ob ich mich in ihnen zuhause fühlen
kann, oder fremd bleibe. Deshalb nehme ich in meinen vielen Kisten auch
Hoffnungen mit, Worte, Glauben und Liebe. Ich sollte gleich mal nachsehen,
in welche Kisten ich die denn verpackt habe.
Denn: „Umzug
ist Vertrauenssache“:
In der persischen Mystik wird von einem Wanderer erzählt, der mühselig
auf einer schier endlos langen Straße entlang zog. Er war über und über
mit Lasten behangen. Ächzend und stöhnend bewegte er sich Schritt für
Schritt vorwärts, beklagte sein hartes Schicksal und die Müdigkeit, die
ihn quälte. Auf seinem Weg begegnete ihm in der glühenden Mittagshitze
ein Bauer. Der fragte ihn: „Oh, müder Wanderer, warum belastest du dich
mit diesen Felsbrocken?“ – „Zu dumm“, antwortete der Wanderer,
„aber ich hatte sie bisher noch nicht bemerkt.“ Darauf warf er die
Brocken weit weg und fühlte sich viel leichter. Wiederum kam ihm nach
einer langen Wegstrecke ein Bauer entgegen, der sich erkundigte: „Sag,
Wanderer, warum plagst du dich mit einem halbfaulen Kürbis auf dem Kopf
und schleppst an den Ketten so schwere Eisengewichte hinter dir her?“ Es
antwortete der Wanderer: „Ich bin froh, dass du mich darauf aufmerksam
machst; ich habe nicht gewusst, was ich mir damit antue.“ Er schüttelte
die Ketten ab und zerschmetterte den halbfaulen Kürbis im Straßengraben.
Wieder fühlte er sich leichter. Doch je weiter er ging, desto mehr begann
er wieder zu leiden. Ein Bauer, der vom Feld kam, betrachtete den Wanderer
erstaunt: „Oh, guter Mann, du trägst Sand in deinem Rucksack, doch was
du dort in der Ferne siehst ist mehr Sand, als du jemals tragen könntest.
Und wie groß ist dein Wasserschlauch – als wolltest du die Wüste Kawir
durchwandern. Dabei fließt neben dir ein klarer Fluss, der deinen Weg
noch weit begleiten wird!“ – „Dank dir Bauer, jetzt merke ich, was
ich mit mir herumgeschleppt habe.“ Mit diesen Worten riss der Wanderer
den Wasserschlauch auf, dessen brackiges Wasser auf dem Weg versickerte,
und füllte mit dem Sand aus dem Rucksack ein Schlagloch. Er blickte an
sich herab, sah den schweren Mühlstein um seinen Hals und merkte plötzlich,
dass es der Stein war, der ihn noch so gebückt gehen lies. Er band ihn
los, und warf ihn, so weit er konnte, in den Fluss hinab. Frei von seinen
Lasten wanderte er durch die Abendkühle, eine Herberge zu finden.
Gönne
dich dir selbst
Wo
soll ich anfangen? Am besten bei deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn
ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit dir. Ich fürchte, dass du,
eingekeilt in deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr
siehst und deshalb deine Stirn verhärtest; dass du dich nach und nach des
Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst.
Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen,
als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an
dem du nicht landen willst.
Wenn
du dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst und
keinen Raum mehr für die Besinnung vorsiehst, soll ich dich da loben?
Darin lob ich dich nicht. Ich glaube, niemand wird dich loben, der das
Wort Salomos kennt: “Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt
Weisheit“ (Sir. 38, 25). Und bestimmt ist es der Tätigkeit selbst nicht
förderlich, wenn ihr nicht die Besinnung vorausgeht.
Wenn
du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel dessen, der
allen alles geworden ist (1 Kor. 9, 22), lobe ich deine Menschlichkeit –
aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst du aber voll und echt
Mensch sein, wenn du dich selbst verloren hast? Auch du bist ein Mensch!
Damit deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst du
also nicht nur für alle anderen, sondern auch für dich selbst ein
aufmerksames Herz haben. Denn was würde es dir sonst nützen, wenn du –
nach dem Wort des Herrn (Mt. 16, 26) – alle gewinnen, aber als einzigen
dich selbst verlieren würdest? Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich
haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst
hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange bist
du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder heimkehrt (Ps 78, 39)? Wie
lange noch schenkst du anderen deine Aufmerksamkeit nur nicht dir selber?
Ja,
wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also
daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage
nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für
alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen
anderen.
(Brief
des Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) an seinen früheren Mönch
Papst Eugen III)
Alles kann einem Menschen genommen
werden
bis auf Eines:
Die letzte der menschlichen Freiheiten
- unter welchen Umständen auch immer
noch seine eigene Haltung,
seinen eigenen Weg
wählen zu können.
(Victor
Frankl
, Überlebender von Ausschwitz und Dachau)
„Warten“ ist ein Schlüsselwort.
Du kannst die Existenz nicht dazu zwingen, Dinge zu tun. Du musst einfach
warten. Die Dinge geschehen im richtigen Augenblick. Du hast die Saat
ausgesät, und du bewässerst jetzt den Garten. Jetzt warte. Jegliche Eile
ist gefährlich. Alles, was wächst, braucht seine Zeit. Nur Falschheiten
können schnell am Fließband hergestellt werden. Aber Wirklichkeiten
wachsen, und Wachstum braucht Zeit.
Und das innere Wachstum
ist das wunderbarste Wachstum in der ganzen Existenz.
(Osho)
Wege
Für den
Weg nach innen
gibt es viele Namen:
Einkehr, Innerlichkeit, Besinnung
Meditation, Umkehr, Fasten, Gebet.
Auch
den Weg nach außen
benennen wir mehrfach:
Aktion, Bewegung, Handeln,
Gesellschaftsveränderung,
Solidarität, Reform, Gutes tun.
Der
Weg nach außen
ist ohne den Weg nach innen
sinnlos, wie auch umgekehrt.
Der
Weg nach außen
wird ohne den Weg nach innen
zur Flucht, blindem Aktionismus,
Tun um des Tuns willen,
leere Hektik.
Der
Weg nach innen
wird
ohne den Weg nach außen
ebenfalls zur Flucht,
hilflose Verinnerlichung
und arme Seelenidylle
des Gescheiterten.
Der
wahre Weg nach innen
führt hinaus.
Der wahre Weg nach außen
kommt von innen.
(Peter
Paul Kaspar: DU hörst mich an.
Meditationen und Gebete. Herder 1981)
Du hast einen schönen
Beruf, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, es muss sehr schwer sein,
Brücken zu bauen.
Wenn man es gelernt hat,
ist es leicht, sagte der alte Brückenbauer, es ist leicht,
Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind
viel schwieriger, sagte er, die baue ich in meinen Träumen.
Welche anderen Brücken?
fragte das Kind.
Der alte Brückenbauer
sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde.
Dann sagte er: Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die
Zukunft. Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen,
von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte
eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit, über
alles Vergängliche hinweg.
Das Kind hatte aufmerksam
zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer
traurig war. Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte, sagte es: Ich
schenke dir meine Brücke. Und das Kind malte für den Brückenbauer einen
bunten Regenbogen.
(Anne Steinwart)
Nur die Liebe zählt
Was
ist wichtig?
Worauf sollen wir hören, sag uns worauf?
So viele Geräusche – welches ist wichtig?
So viele Beweise – welcher ist richtig?
So viele Reden – ein Wort ist wahr.
Wofür sollen wir leben, sag uns wofür?
So viele Gedanken – welcher ist wichtig?
So viele Programme – welches ist wichtig?
So viele Fragen – die Liebe zählt!
(Lothar Zenetti, 1971)
Dieser Text ist auch als Lied im Katholischen Gebet- und Gesangbuch
"Gotteslob" unter der Nr. 623 zu finden.
Für die Nennung des Verfassers und den weiterführende Hinweis danken wir
Sr. Christa Kothen, Kath. Krankenhausseelsorgerin
Für
alles gibt es eine Stunde,
und eine Zeit gibt es für alles Geschehen unter dem Himmel:
Eine Zeit zu Weinen und eine Zeit zum Lachen,
eine Zeit des Klagens und eine Zeit des Tanzens,
eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit sich vom Umarmen zu lösen,
eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen,
eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Gebären
und eine Zeit zum Sterben.
(Prediger)
"Und
was ist der Sinn Deines Lebens?"
fragte eine Schnecke die andere.
"Seine
Last tragen, beweglich bleiben, große Fühler haben,
verletzbar sein, manchmal sich zurückziehen, eine Spur hinterlassen"
(Bernhard Kraus)
Das
gute Wort
Sag
mir zum Abschied ein gutes Wort
Wenn
du gehst nun von mir fort.
Es
kann so viel mit uns gescheh'n,
wer
weiß, ob wir uns wiederseh'n.
Sag
lieb ein Wort zur guten Nacht,
wer
weiß, ob man noch früh erwacht.
Das
Leben ist so schnell vorbei
und
dann ist es nicht einerlei,
was
du zuletzt zu mir gesagt,
was
du zuletzt hast mich gefragt.
Drum
lass ein gutes Wort das letzte sein.
Bedenk':
Das letzte könnt's für immer sein!
Ich
sollte keine Insel sein in einem Meer von Menschen
Was bin ich denn ohne die
anderen?
Leben ist Leben mit
anderen!
Leben mit anderen heißt:
Mit ihnen muss ich alles teilen.
Ihnen darf kein Leid
durch mich geschehen. Ich muss sie annehmen, ich muss sie anerkennen, ich
muss sie lieben.
Ohne die anderen ist
Leben, Lieben, Glücklichsein eine Utopie!
Durch tausend Fäden sind
wir miteinander verbunden. Ein Leben hängt am anderen, kein Leben
entfaltet sich ohne die anderen.
Ich kann mich nur
entfalten durch sie, die anderen.
Ich brauche sie nicht
nur, weil sie soviel für mich bedeuten. Ich brauche sie auch, weil ich
soviel für sie tun kann.
Ich
habe Augen, um die anderen zu entdecken, Ohren, um sie zu hören, Füße,
um zu ihnen zu gehen, Hände, um sie ihnen hinzuhalten, und ein Herz, um
sie zu lieben.
Schlechte Tage gehen auch
vorbei...
An schlimmen Tagen musst
du Geduld haben, viel Geduld mit ... dir selbst! Geduld ist eine Tugend.
Tugend macht tauglich. Vielleicht taugt das Leben der Menschen so wenig,
weil sie so wenige Tugenden haben und vor allem so wenig Geduld. Alles
muss schnell gehen. Computer-Tempo! Alle Wünsche müssen in Erfüllung
gehen mit einem Druck auf den Knopf. Aber das Leben ist keine Maschine,
die nur gute Tage produziert.
Es gibt gute und
schlechte Tage. Gute Tage gehen vorbei! Das weißt du, und das findest du
schrecklich. Aber schlechte Tage gehen auch vorbei! Warum denkst du nicht
daran, und warum tröstet dich das nicht?
Geduld
haben ... und ein Stück weit blind fliegen
Mach
aus deinem "Dienen" kein "Verdienen"
Wörter wie "Dienen"
und "Verdienen"
verlieren allmählich ihre eigentliche Bedeutung. Wörter werden verstümmelt!
In den Wörtern "Dienen"
und "Dienst"
liegt die Betonung auf dem menschlichen Verhalten, während es beim "Verdienen"
um eine sachliche Beziehung geht: etwas tun und dafür bezahlt werden. Ich
liebe den Grundsatz der Wirtschaft nicht, der lautet: "Von
nichts kommt nichts."
Ein namhafter Wirtschaftsprofessor sagte neulich: "Ich
habe immer die bezahlte Tat vertreten, aber in den letzten Jahren fange
ich an, die Bedeutung der unbezahlten Tat einzusehen."
Die Wörter "Dienst"
und "Dienen"
müssen neu geeicht und vom "Verdienen"
losgelöst werden. Nicht, dass das "Verdienen"
aus unseren Geschäftsbeziehungen getilgt werden sollte oder könnte, denn
richtig verstanden ist es auch dort von Bedeutung, um menschliches
Verhalten zu ermöglichen.
Die "unbezahlte
Tat"
ist eine Tat im Dienst des Mitmenschen, eine Tat aus Idealismus und Liebe,
vor allem dort, wo es um Pflege und Sorge geht, um Kranke,
Alte, Behinderte und Bedürftige. Wir selbst sind "gratis"
in der Welt, und darum sollen wir "gratis"
andere lieben und anderen dienen. Aber die Sucht, haben zu wollen, hat uns
so tief gepackt und unser Verhalten verstört, dass alles, auch die
kleinste Tat, bezahlt werden muss, mit Geld bezahlt.
Der Egoismus ist wie ein
Magnetfeld. Zu viele Menschen reagieren auf ihre Umgebung nur, wenn es
gilt, Geld herauszuholen, Geld zu verdienen. Zu viele maskieren ihre
Reaktion mit dem Motto: "Um
den Menschen zu dienen".
Man glaubt nicht mehr an einen uneigennützigen Freundesdienst. Die Leute
sind sprachlos überrascht, wenn man etwas für sie tut, ohne Dank oder
Geld zu erwarten, nur so.
Die
Freude an der Arbeit, das Fest deines Lebens beginnt erst,
wenn
du etwas für einen anderen tust, ohne an dich zu denken,
uneigennützig,
nur so, weil du es schön findest.
(Verfasser unbekannt)
Neues
Erleben
Wieder
seh ich Schleier sinken,
Und
Vertrautestes wird fremd,
Neue
Sternenräume winken,
Seele
schreitet traumgehemmt.
Abermals
in neuen Kreisen
Ordnet
sich um mich die Welt,
Und
ich seh mich eiteln Weisen,
Als
ein Kind hineingestellt.
Doch
aus früheren Geburten
Zuckt
entfernte Ahnung her:
Sterne
sanken, Sterne wurden,
Und
der Raum war niemals leer.
Seele
beugt sich und erhebt sich,
Atmet
in Unendlichkeit,
Aus
zerrissenen Fäden webt sich
neu
und schöner Gottes Kleid.
(Hermann
Hesse)
Stufen
Wie jede Blüte welkt und
jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede
Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es
muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und
Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue
Bindungen zu geben.
Und bei jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns
beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um
Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist
will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben,
weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt,
so droht Erschlaffen;
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender
Gewöhnung sich entraffen.
Es
wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen
senden,
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm
Abschied und gesunde!
(Hermann Hesse)
Unsere
tiefste Angst ist nicht,
dass
wir unzulänglich sind,
Unsere
tiefste Angst ist,
dass
wir unermesslich machtvoll sind.
Es
ist unser Licht, das wir fürchten,
nicht
unsere Dunkelheit.
Wir
fragen uns: “Wer bin ich eigentlich,
dass
ich leuchtend, begnadet,
phantastisch
sein darf?“
Wer
bist du denn, es nicht zu sein?
Du
bist ein Kind Gottes.
Wenn
du dich klein machst,
dient
das der Welt nicht.
Es
hat nichts mit Erleuchtung zu tun,
wenn
du schrumpfst,
damit
andere um dich herum,
sich
nicht verunsichert fühlen.
Wir
wurden geboren, um die Herrlichkeit
Gottes
zu verwirklichen, die in uns ist.
Sie
ist nicht nur in einigen von uns,
sie
ist in jedem Menschen.
Und
wenn wir unser eigenes Licht
Erstrahlen
lassen,
geben
wir unbewusst anderen
Menschen
die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn
wir uns von unserer eigenen
Angst
befreit haben,
wird
unsere Gegenwart
ohne
unser Zutun andere befreien.
(Nelson Mandela,
Auszug aus seiner Antrittsrede 1994)
Zum neuen Jahr
Gehe ruhig und gelassen
durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen
kann, stehe – soweit ohne Selbstaufgabe möglich – in freundlicher
Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine Wahrheit ruhig und klar und höre
anderen zu, auch den Geistlosen
und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte. Meide laute und
aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn Du Dich mit
anderen vergleichst, könntest Du bitter
werden und Dir nichtig vorkommen, denn immer wird es jemand geben, größer
oder geringer als Du. Freue Dich
Deiner eigenen Leistungen wie auch Deiner Pläne. Bleibe weiter an Deiner
eigenen Leistung interessiert, wie auch immer. Sie ist ein echter Besitz
im wechselnden Glück der Zeiten.
In Deinen geschäftlichen
Angelegenheiten lass Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug.
Aber dies soll nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene
Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale und überall ist
das Leben voller Heldentum. Sei Du selbst, vor allen Dingen heuchle keine
Zuneigung. Noch sei zynisch, was die Liebe betrifft, denn auch im
Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie
das Gras. Ertrage freundlich gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die
Dinge der Jugend mit Grazie auf.
Stärke die Kraft des
Geistes, damit sie Dich im plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze.
Aber beruhige Dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind
Folgen von Erschöpfungen und Einsamkeit. Bei einem heilsamen Maß an
Selbstdisziplin sei gut zu Dir selbst. Du bist ein Kind des Universums,
nicht weniger als die Bäume und die Sterne, Du hast ein Recht hier zu
sein. Und ob es Dir nun bewusst ist oder nicht: zweifellos entfaltet sich
das Universum wie vorgesehen.
Darum lebe in Frieden mit
Gott, was für eine Vorstellung Du auch von ihm hast und was immer Dein Mühen
und Sehnen ist. In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte Dir den
Frieden mit Deiner Seele. Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den
zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön. Sei vorsichtig.
Strebe danach glücklich zu sein.
(Aus der alten St. Pauls
Kirche, Baltimore. Von 1692)
Ich
schlief und träumte, Leben sei Freude.
Ich
erwachte und fand, Leben ist dienen.
Ich
handelte und merkte, Dienen ist Freude.
(Tagore)
Der alte Mann
und sein Pferd
-
eine Geschichte aus dem alten China –
Die
folgende Geschichte trug sich zur Zeit Laotses in China zu, und Laotse
liebte sie sehr:
Ein
alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren
neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Die Könige
boten phantastische Summen für das Pferd, aber der Mann sagte dann:
„Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Freund. Und wie könnte
man seinen eigenen Freund verkaufen?“ Der Mann war arm, aber sein Pferd
verkaufte er nie.
Eines
Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte
sich, und die Leute sagten: „Du dummer alter Mann. Wir haben gewusst,
dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es
zu verkaufen. Welch ein Unglück! Welch ein Unglück! Nein!“
Der alte Mann sagte: „Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt
einfach: ‚Das Pferd ist nicht im Stall‘. Ob es ein Unglück ist oder
ein Segen, weiß ich nicht.“ Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten
schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war. Aber am nächsten
Tag kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden,
sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch
noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute,
und sie sagten: „Alter Mann, du hattest recht. Es war kein Unglück, es
hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.“ Der Alte entgegnete:
„Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: ‚Das Pferd ist zurück.‘ Wer
weiß, ob das ein Segen ist oder nicht?“
Der
alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann, die Wildpferde zu
trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich die
Beine. Wieder versammelten sich die Leute. Sie sagten: „Wieder hattest
du recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine
nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt
bist du ärmer als je zuvor. So ein Unglück! So ein Unglück! Nein!“
Der Alte antwortete: „Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich
die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein
Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu
sehen.“
Es
ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle
jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur
der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der
ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht
zu gewinnen war und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach
Hause zurückkehren würden. Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: „Du
hattest recht, alter Mann – es hat sich nicht als Segen erwiesen. Dein
Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne
sind für immer fort.“ Der alte Mann antwortete wieder: „Ihr hört
nicht auf zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur, dass man eure Söhne in
die Armee eingezogen hat und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch
nur Gott, der das Ganze kennt, weiß, ob dies ein Segen oder ein Unglück
ist.“
Ich
seh' Menschen gern – das ist mein Hobby
Menschen gern sehen, das
heißt:
An Tagen der Freude mit
ihnen fröhlich und guter Dinge sein;
in Stunden der Not für
sie eine helfende Hand und ein tröstendes Herz haben.
Menschen gern sehen, das
heißt:
Sich nicht selbst genügen
wollen, das Herz aufschließen und Platz darin machen für andere.
Menschen leiden an Menschen. Mit reinen Augen sehen und mit einem reinen
Herzen.
Menschen
gern sehen, das heißt:
Vom
hohen Ross herabsteigen.
(Verfasser
unbekannt)
Wer
die Liebe hat, kann auf vieles verzichten
Jeden Morgen zündet die
Sonne über der Welt ihr Licht an. Die Sonne weckt den Frühling. Sie
lockt aus den Bäumen das junge Grün und tupft bunte Blumen auf die
Wiese. Jeden Tag fängt sie aufs Neue an, und niemals wird sie müde. Hört
die Sonne auf, dann sitzen wir in der schwärzesten Nacht und in der
eisigsten Kälte, und alle Menschen und Tiere, alle Blumen und Pflanzen müssen
sterben.
So ist es mit der Liebe.
Ein größeres Wunder als selbst die Sonne ist die Liebe.
Wenn in Deinem Leben die
Liebe aufgeht, dann ist es hell und warm, und alle fühlen sich wohl. Wenn
in deinem Leben die Liebe untergeht, werden die Schatten immer größer!
(Verfasser
unbekannt)
Jeden Tag neu leben
Neu bist du, wenn du
staunst, weil jeden Morgen Licht da ist; wenn du glücklich bist,
weil deine Augen sehen,
deine Hände fühlen, deine Füße laufen; wenn du singst,
weil dein Herz schlägt.
Neu bist du, wenn du weißt,
dass du lebst; wenn du denkst,
dass heute der erste Tag
vom Rest deines Lebens beginnt.
Neu bis du, wenn du mit
reinem Blick auf Menschen und Dinge schaust,
wenn du noch lachen
kannst, wenn du dich freuen kannst über die einfachen,
kleinen Blumen am Weg
deines Lebens.
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