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Letzte Aktualisierung: 24.04.2012

   

Sonstige Texte und Gedichte

Folgende Texte und Gedichten haben wir im Laufe der Zeit gesammelt. Bei einigen fehlen uns leider die Verfasser.
Uns ist auch nicht bekannt, ob die Texte unter Copyright stehen. Wenn Sie von einem uns nicht bekannten Verfasser oder von einem Copyright Kenntnis haben, informieren Sie uns doch bitte:
post@hospiz-verein-bergstrasse.de


wussten sie schon

wussten sie schon
dass die nähe eines menschen  
gesund machen
krank machen 
tot und lebendig machen kann

wussten sie schon
dass die nähe eines menschen
gut machen 
böse machen
traurig und froh machen kann

wussten sie schon 
dass das wegbleiben eines menschen 
sterben lassen kann 
dass das kommen eines menschen 
wieder leben lässt 

wussten sie schon
dass die stimme eines menschen 
einen anderen menschen 
wieder aufhorchen lässt 
der für alles taub war

wussten sie schon 
dass das wort 
oder das tun eines menschen  
wieder sehen machen kann
der nichts mehr sah
der keinen sinn mehr sah 
in dieser welt und in seinem leben

wussten sie schon 
dass das zeithaben für einen menschen 
mehr ist als geld
mehr als medikamente
unter umständen mehr
als eine geniale operation  

wussten sie schon 
dass das anhören eines menschen
wunder wirkt
dass das wohlwolen zinsen trägt
dass ein vorschuss an vertrauen
hundertfach zurückkommt  

wussten sie schon
dass tun mehr ist als reden 
aber dass man manchmal
einfach nur aushalten kann

wussten sie das alles schon 
und wussten sie auch schon 
dass der weg vom wissen über das reden 
zum tun oder zum lassen 
interplanetarisch weit ist

(Wilhelm Willms, 1977)

 

Der Umzug

Ich bin umgezogen. Ihr übrigens auch - neulich Nacht!
Aus dem alten, bekannten Haus in ein neues, noch völlig fremdes.
Noch hat dieses Haus nur eine Zahl, an die wir uns auch erst gewöhnen müssen - 2004. Und auch wenn wir mit unseren vielen festgeschriebenen Plänen ganz anders tun - in Wahrheit kennen wir noch keinen einzigen der Räume in diesem Haus. Wir können sie uns noch nicht mal aussuchen und werden uns doch in ihnen einrichten müssen.
Da bin ich nun, auf der Schwelle zum Neuen mit meiner Umzugskiste. Was habe ich nicht alles mitgenommen! Vieles, was ich zum Leben brauche, natürlich. Und einiges, vielleicht ohne praktischen Nutzen, aber es gehört doch zu mir, zu meiner Geschichte: Erinnerungen, Begegnungen. Aber da ist auch manches in meiner Kiste ungeordnet, abgebrochen, belastend. Vielleicht ist ja jetzt gerade noch Zeit zum Sortieren, aber auch zum Wegwerfen. Bevor ich mich wieder unnötig einenge im neuen Haus.
Viel nehme ich mit bei diesem „Wandern von einem J ahr zum andern“. Vor allem auch mich selbst, meine Pläne und Träume - auch meine Ängste.
Dabei ist meine Umzugskiste hier trotz allem noch recht leicht. Da gibt es andere hier im Eingang zum neuen J ahr, die sind fast zu schwer zum Tragen, und trotzdem können sie nicht einfach zurückgelassen werden. Bis oben hin voll sind sie mit Sorgen um Krankheit oder Tod, mit Ängsten, Schmerz und Leid.
Auf meiner Kiste hier steht: “Umzug ist Vertrauenssache“. Ich finde da ist was dran! Mit allem, was zu mir gehört, möchte ich gut aufgehoben sein. Das gilt auch für meinen Umzug ins neue J ahr - wenn ich nicht weiß, ob die unbekannten neuen Räume mich freundlich oder feindlich empfangen, ob ich mich in ihnen zuhause fühlen kann, oder fremd bleibe. Deshalb nehme ich in meinen vielen Kisten auch Hoffnungen mit, Worte, Glauben und Liebe. Ich sollte gleich mal nachsehen, in welche Kisten ich die denn verpackt habe.
Denn: „Umzug ist Vertrauenssache“:

Der Wanderer

In der persischen Mystik wird von einem Wanderer erzählt, der mühselig auf einer schier endlos langen Straße entlang zog. Er war über und über mit Lasten behangen. Ächzend und stöhnend bewegte er sich Schritt für Schritt vorwärts, beklagte sein hartes Schicksal und die Müdigkeit, die ihn quälte. Auf seinem Weg begegnete ihm in der glühenden Mittagshitze ein Bauer. Der fragte ihn: „Oh, müder Wanderer, warum belastest du dich mit diesen Felsbrocken?“ – „Zu dumm“, antwortete der Wanderer, „aber ich hatte sie bisher noch nicht bemerkt.“ Darauf warf er die Brocken weit weg und fühlte sich viel leichter. Wiederum kam ihm nach einer langen Wegstrecke ein Bauer entgegen, der sich erkundigte: „Sag, Wanderer, warum plagst du dich mit einem halbfaulen Kürbis auf dem Kopf und schleppst an den Ketten so schwere Eisengewichte hinter dir her?“ Es antwortete der Wanderer: „Ich bin froh, dass du mich darauf aufmerksam machst; ich habe nicht gewusst, was ich mir damit antue.“ Er schüttelte die Ketten ab und zerschmetterte den halbfaulen Kürbis im Straßengraben. Wieder fühlte er sich leichter. Doch je weiter er ging, desto mehr begann er wieder zu leiden. Ein Bauer, der vom Feld kam, betrachtete den Wanderer erstaunt: „Oh, guter Mann, du trägst Sand in deinem Rucksack, doch was du dort in der Ferne siehst ist mehr Sand, als du jemals tragen könntest. Und wie groß ist dein Wasserschlauch – als wolltest du die Wüste Kawir durchwandern. Dabei fließt neben dir ein klarer Fluss, der deinen Weg noch weit begleiten wird!“ – „Dank dir Bauer, jetzt merke ich, was ich mit mir herumgeschleppt habe.“ Mit diesen Worten riss der Wanderer den Wasserschlauch auf, dessen brackiges Wasser auf dem Weg versickerte, und füllte mit dem Sand aus dem Rucksack ein Schlagloch. Er blickte an sich herab, sah den schweren Mühlstein um seinen Hals und merkte plötzlich, dass es der Stein war, der ihn noch so gebückt gehen lies. Er band ihn los, und warf ihn, so weit er konnte, in den Fluss hinab. Frei von seinen Lasten wanderte er durch die Abendkühle, eine Herberge zu finden.

 

Gönne dich dir selbst  

Wo soll ich anfangen? Am besten bei deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit dir. Ich fürchte, dass du, eingekeilt in deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb deine Stirn verhärtest; dass du dich nach und nach des Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst. Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst.  

Wenn du dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst und keinen Raum mehr für die Besinnung vorsiehst, soll ich dich da loben? Darin lob ich dich nicht. Ich glaube, niemand wird dich loben, der das Wort Salomos kennt: “Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit“ (Sir. 38, 25). Und bestimmt ist es der Tätigkeit selbst nicht förderlich, wenn ihr nicht die Besinnung vorausgeht.  

Wenn du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel dessen, der allen alles geworden ist (1 Kor. 9, 22), lobe ich deine Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst du aber voll und echt Mensch sein, wenn du dich selbst verloren hast? Auch du bist ein Mensch! Damit deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst du also nicht nur für alle anderen, sondern auch für dich selbst ein aufmerksames Herz haben. Denn was würde es dir sonst nützen, wenn du – nach dem Wort des Herrn (Mt. 16, 26) – alle gewinnen, aber als einzigen dich selbst verlieren würdest? Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange bist du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder heimkehrt (Ps 78, 39)? Wie lange noch schenkst du anderen deine Aufmerksamkeit nur nicht dir selber?  

Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.  

(Brief des Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) an seinen früheren Mönch Papst Eugen III)  

 

Alles kann einem Menschen genommen werden
bis auf Eines:
Die letzte der menschlichen Freiheiten
- unter welchen Umständen auch immer
noch seine eigene Haltung,
seinen eigenen Weg
wählen zu können.

(Victor Frankl , Überlebender von Ausschwitz und Dachau)

 

 

„Warten“ ist ein Schlüsselwort. Du kannst die Existenz nicht dazu zwingen, Dinge zu tun. Du musst einfach warten. Die Dinge geschehen im richtigen Augenblick. Du hast die Saat ausgesät, und du bewässerst jetzt den Garten. Jetzt warte. Jegliche Eile ist gefährlich. Alles, was wächst, braucht seine Zeit. Nur Falschheiten können schnell am Fließband hergestellt werden. Aber Wirklichkeiten wachsen, und Wachstum braucht Zeit.

Und das innere Wachstum ist das wunderbarste Wachstum in der ganzen Existenz.

(Osho)

 

Wege

Für den Weg nach innen
gibt es viele Namen:
Einkehr, Innerlichkeit, Besinnung
Meditation, Umkehr, Fasten, Gebet.

Auch den Weg nach außen
benennen wir mehrfach:
Aktion, Bewegung, Handeln,
Gesellschaftsveränderung,
Solidarität, Reform, Gutes tun.

Der Weg nach außen
ist ohne den Weg nach innen
sinnlos, wie auch umgekehrt.

Der Weg nach außen
wird ohne den Weg nach innen
zur Flucht, blindem Aktionismus,
Tun um des Tuns willen,
leere Hektik.

Der Weg nach innen
 wird ohne den Weg nach außen
ebenfalls zur Flucht,
hilflose Verinnerlichung
und arme Seelenidylle
des Gescheiterten.

Der wahre Weg nach innen
führt hinaus.
Der wahre Weg nach außen
kommt von innen.

(Peter Paul Kaspar: DU hörst mich an. Meditationen und Gebete. Herder 1981)

 

 

Die anderen Brücken

Du hast einen schönen Beruf, sagte das Kind zum alten Brückenbauer, es muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen.

Wenn man es gelernt hat, ist es leicht, sagte der alte Brückenbauer, es ist leicht,  Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind viel schwieriger, sagte er, die baue ich in meinen Träumen.

Welche anderen Brücken? fragte das Kind.

Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. Dann sagte er: Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die Zukunft. Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit, über alles Vergängliche hinweg.

Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte, sagte es: Ich schenke dir meine Brücke. Und das Kind malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen.

(Anne Steinwart)         

 

  

Nur die Liebe zählt

Was ist wichtig?
Worauf sollen wir hören, sag uns worauf?
So viele Geräusche – welches ist wichtig?
So viele Beweise – welcher ist richtig?
So viele Reden – ein Wort ist wahr.

Wofür sollen wir leben, sag uns wofür?
So viele Gedanken – welcher ist wichtig?
So viele Programme – welches ist wichtig?
So viele Fragen – die Liebe zählt!

(Lothar Zenetti, 1971)
Dieser Text ist auch als Lied im Katholischen Gebet- und Gesangbuch 
"Gotteslob" unter der Nr. 623 zu finden.
Für die Nennung des Verfassers und den weiterführende Hinweis danken wir
Sr. Christa Kothen, Kath. Krankenhausseelsorgerin
 

  

Für alles gibt es eine Stunde,
und eine Zeit gibt es für alles Geschehen unter dem Himmel:
Eine Zeit zu Weinen und eine Zeit zum Lachen,
eine Zeit des Klagens und eine Zeit des Tanzens,
eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit sich vom Umarmen zu lösen,
eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen,
eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Gebären
und eine Zeit zum Sterben.  

(Prediger)

 

 

"Und was ist der Sinn Deines Lebens?" fragte eine Schnecke die andere.
"Seine Last tragen, beweglich bleiben, große Fühler haben,
verletzbar sein, manchmal sich zurückziehen, eine Spur hinterlassen"

(Bernhard Kraus)

   

 

Das gute Wort

Sag mir zum Abschied ein gutes Wort
Wenn du gehst nun von mir fort.
Es kann so viel mit uns gescheh'n,
wer weiß, ob wir uns wiederseh'n.

Sag lieb ein Wort zur guten Nacht,
wer weiß, ob man noch früh erwacht.
Das Leben ist so schnell vorbei
und dann ist es nicht einerlei,
was du zuletzt zu mir gesagt,
was du zuletzt hast mich gefragt.

Drum lass ein gutes Wort das letzte sein.
Bedenk': Das letzte könnt's für immer sein!

 

 

Ich sollte keine Insel sein in einem Meer von Menschen

Was bin ich denn ohne die anderen?
Leben ist Leben mit anderen!
Leben mit anderen heißt: Mit ihnen muss ich alles teilen.
Ihnen darf kein Leid durch mich geschehen. Ich muss sie annehmen, ich muss sie anerkennen, ich muss sie lieben.
Ohne die anderen ist Leben, Lieben, Glücklichsein eine Utopie!
Durch tausend Fäden sind wir miteinander verbunden. Ein Leben hängt am anderen, kein Leben entfaltet sich ohne die anderen.
Ich kann mich nur entfalten durch sie, die anderen.
Ich brauche sie nicht nur, weil sie soviel für mich bedeuten. Ich brauche sie auch, weil ich soviel für sie tun kann.
Ich habe Augen, um die anderen zu entdecken, Ohren, um sie zu hören, Füße, um zu ihnen zu gehen, Hände, um sie ihnen hinzuhalten, und ein Herz, um sie zu lieben.

Schlechte Tage gehen auch vorbei...

An schlimmen Tagen musst du Geduld haben, viel Geduld mit ... dir selbst! Geduld ist eine Tugend. Tugend macht tauglich. Vielleicht taugt das Leben der Menschen so wenig, weil sie so wenige Tugenden haben und vor allem so wenig Geduld. Alles muss schnell gehen. Computer-Tempo! Alle Wünsche müssen in Erfüllung gehen mit einem Druck auf den Knopf. Aber das Leben ist keine Maschine, die nur gute Tage produziert.

Es gibt gute und schlechte Tage. Gute Tage gehen vorbei! Das weißt du, und das findest du schrecklich. Aber schlechte Tage gehen auch vorbei! Warum denkst du nicht daran, und warum tröstet dich das nicht?

Geduld haben ... und ein Stück weit blind fliegen

 

 

Mach aus deinem "Dienen" kein "Verdienen"

Wörter wie "Dienen" und  "Verdienen" verlieren allmählich ihre eigentliche Bedeutung. Wörter werden verstümmelt!

In den Wörtern "Dienen" und "Dienst" liegt die Betonung auf dem menschlichen Verhalten, während es beim "Verdienen" um eine sachliche Beziehung geht: etwas tun und dafür bezahlt werden. Ich liebe den Grundsatz der Wirtschaft nicht, der lautet: "Von nichts kommt nichts." Ein namhafter Wirtschaftsprofessor sagte neulich: "Ich habe immer die bezahlte Tat vertreten, aber in den letzten Jahren fange ich an, die Bedeutung der unbezahlten Tat einzusehen."

Die Wörter "Dienst" und "Dienen" müssen neu geeicht und vom "Verdienen" losgelöst werden. Nicht, dass das "Verdienen" aus unseren Geschäftsbeziehungen getilgt werden sollte oder könnte, denn richtig verstanden ist es auch dort von Bedeutung, um menschliches Verhalten zu ermöglichen.

Die "unbezahlte Tat" ist eine Tat im Dienst des Mitmenschen, eine Tat aus Idealismus und Liebe, vor allem dort, wo es um Pflege und Sorge geht, um Kranke,  Alte, Behinderte und Bedürftige. Wir selbst sind "gratis" in der Welt, und darum sollen wir "gratis" andere lieben und anderen dienen. Aber die Sucht, haben zu wollen, hat uns so tief gepackt und unser Verhalten verstört, dass alles, auch die kleinste Tat, bezahlt werden muss, mit Geld bezahlt.

Der Egoismus ist wie ein Magnetfeld. Zu viele Menschen reagieren auf ihre Umgebung nur, wenn es gilt, Geld herauszuholen, Geld zu verdienen. Zu viele maskieren ihre Reaktion mit dem Motto: "Um den Menschen zu dienen". Man glaubt nicht mehr an einen uneigennützigen Freundesdienst. Die Leute sind sprachlos überrascht, wenn man etwas für sie tut, ohne Dank oder Geld zu erwarten, nur so.

Die Freude an der Arbeit, das Fest deines Lebens beginnt erst,
wenn du etwas für einen anderen tust, ohne an dich zu denken,
uneigennützig, nur so, weil du es schön findest.   

(Verfasser unbekannt)

   

 

Neues Erleben  

Wieder seh ich Schleier sinken,
Und Vertrautestes wird fremd,
Neue Sternenräume winken,
Seele schreitet traumgehemmt.

Abermals in neuen Kreisen
Ordnet sich um mich die Welt,
Und ich seh mich eiteln Weisen,
Als ein Kind hineingestellt.

Doch aus früheren Geburten
Zuckt entfernte Ahnung her:
Sterne sanken, Sterne wurden,
Und der Raum war niemals leer.

Seele beugt sich und erhebt sich,
Atmet in Unendlichkeit,
Aus zerrissenen Fäden webt sich
neu und schöner Gottes Kleid. 

(Hermann Hesse)

   

 

Stufen 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, 
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend 
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. 
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe 
bereit zum Abschied sein und Neubeginne, 
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern 
in andre, neue Bindungen zu geben. 
Und bei jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, 
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, 
an keinem wie an einer Heimat hängen, 
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, 
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten. 
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise 
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen; 
nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, 
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde 
uns neuen Räumen jung entgegen senden, 
des Lebens Ruf an uns wird niemals enden. 
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

(Hermann Hesse)

 

 

Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir unzulänglich sind,
Unsere tiefste Angst ist,
dass wir unermesslich machtvoll sind.
Es ist unser Licht, das wir fürchten,
nicht unsere Dunkelheit.
Wir fragen uns: “Wer bin ich eigentlich,
dass ich leuchtend, begnadet,
phantastisch sein darf?“
Wer bist du denn, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst,
dient das der Welt nicht.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun,
wenn du schrumpfst,
damit andere um dich herum,
sich nicht verunsichert fühlen.
Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit
Gottes zu verwirklichen, die in uns ist.
Sie ist nicht nur in einigen von uns,
sie ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser eigenes Licht
Erstrahlen lassen,
geben wir unbewusst anderen
Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir uns von unserer eigenen
Angst befreit haben,
wird unsere Gegenwart
ohne unser Zutun andere befreien.  

(Nelson Mandela, Auszug aus seiner Antrittsrede 1994)

 

 

Zum neuen Jahr

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann, stehe – soweit ohne Selbstaufgabe möglich – in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere Deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte. Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, könntest Du  bitter werden und Dir nichtig vorkommen, denn immer wird es jemand geben, größer oder geringer als Du. Freue  Dich Deiner eigenen Leistungen wie auch Deiner Pläne. Bleibe weiter an Deiner eigenen Leistung interessiert, wie auch immer. Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten.

In Deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale und überall ist das Leben voller Heldentum. Sei Du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung. Noch sei zynisch, was die Liebe betrifft, denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras. Ertrage freundlich gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.

Stärke die Kraft des Geistes, damit sie Dich im plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze. Aber beruhige Dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Folgen von Erschöpfungen und Einsamkeit. Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu Dir selbst. Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne, Du hast ein Recht hier zu sein. Und ob es Dir nun bewusst ist oder nicht: zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen.

Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung Du auch von ihm hast und was immer Dein Mühen und Sehnen ist. In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte Dir den Frieden mit Deiner Seele. Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön. Sei vorsichtig. Strebe danach glücklich zu sein.

(Aus der alten St. Pauls Kirche, Baltimore. Von 1692)

 

 

 

Ich schlief und träumte, Leben sei Freude.
Ich erwachte und fand, Leben ist dienen.
Ich handelte und merkte, Dienen ist Freude.

(Tagore)

   

 

Der alte Mann und sein Pferd

- eine Geschichte aus dem alten China –

Die folgende Geschichte trug sich zur Zeit Laotses in China zu, und Laotse liebte sie sehr:

Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Die Könige boten phantastische Summen für das Pferd, aber der Mann sagte dann: „Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Freund. Und wie könnte man seinen eigenen Freund verkaufen?“ Der Mann war arm, aber sein Pferd verkaufte er nie.

Eines Morgens fand er sein Pferd nicht im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: „Du dummer alter Mann. Wir haben gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück! Welch ein Unglück! Nein!“  Der alte Mann sagte: „Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: ‚Das Pferd ist nicht im Stall‘. Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht.“ Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war. Aber am nächsten Tag kehrte das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit. Wieder versammelten sich die Leute, und sie sagten: „Alter Mann, du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen.“ Der Alte entgegnete: „Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: ‚Das Pferd ist zurück.‘ Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht?“

Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann, die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel er vom Pferd und brach sich die Beine. Wieder versammelten sich die Leute. Sie sagten: „Wieder hattest du recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor. So ein Unglück! So ein Unglück! Nein!“ Der Alte antwortete: „Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen.“

Es ergab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war von Klagen und Wehgeschrei erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war und man wusste, dass die meisten jungen Männer nicht nach Hause zurückkehren würden. Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: „Du hattest recht, alter Mann – es hat sich nicht als Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer fort.“ Der alte Mann antwortete wieder: „Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur, dass man eure Söhne in die Armee eingezogen hat und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, der das Ganze kennt, weiß, ob dies ein Segen oder ein Unglück ist.“

 

 

Ich seh' Menschen gern – das ist mein Hobby

Menschen gern sehen, das heißt:
An Tagen der Freude mit ihnen fröhlich und guter Dinge sein;
in Stunden der Not für sie eine helfende Hand und ein tröstendes Herz haben.

Menschen gern sehen, das heißt:
Sich nicht selbst genügen wollen, das Herz aufschließen und Platz darin machen für andere. 
Menschen leiden an Menschen. Mit reinen Augen sehen und mit einem reinen Herzen.

Menschen gern sehen, das heißt:
Vom hohen Ross herabsteigen.

(Verfasser unbekannt)

 

 

Wer die Liebe hat, kann auf vieles verzichten

Jeden Morgen zündet die Sonne über der Welt ihr Licht an. Die Sonne weckt den Frühling. Sie lockt aus den Bäumen das junge Grün und tupft bunte Blumen auf die Wiese. Jeden Tag fängt sie aufs Neue an, und niemals wird sie müde. Hört die Sonne auf, dann sitzen wir in der schwärzesten Nacht und in der eisigsten Kälte, und alle Menschen und Tiere, alle Blumen und Pflanzen müssen sterben.

So ist es mit der Liebe. Ein größeres Wunder als selbst die Sonne ist die Liebe.

Wenn in Deinem Leben die Liebe aufgeht, dann ist es hell und warm, und alle fühlen sich wohl. Wenn in deinem Leben die Liebe untergeht, werden die Schatten immer größer!  

(Verfasser unbekannt)

 

   

Jeden Tag neu  leben

Neu bist du, wenn du staunst, weil jeden Morgen Licht da ist; wenn du glücklich bist,
weil deine Augen sehen, deine Hände fühlen, deine Füße laufen; wenn du singst,
weil dein Herz schlägt.
Neu bist du, wenn du weißt, dass du lebst; wenn du denkst,
dass heute der erste Tag vom Rest deines Lebens beginnt.
Neu bis du, wenn du mit reinem Blick auf Menschen und Dinge schaust,
wenn du noch lachen kannst, wenn du dich freuen kannst über die einfachen,
kleinen Blumen am Weg deines Lebens.