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Das
Unbeschreibliche hat viele Gesichter
Was verknüpfen Jugendliche mit dem Tod? / Bilderausstellung des
Hospiz-Vereins Bergstraße
Bensheim. Der Tod ist bunt und schwarz, laut und still, wirklich und
abstrakt. Da sind Paradies und Hölle Türnachbarn, die sich nur in
der Person des Empfangschefs unterscheiden. Da wird der Tod zur
feierlichen Himmelfahrt und das kahle Friedhofstor zur letzten
Lebenspforte. Da blickt einem das Jenseits ins Gesicht und offenbart
sich das Unbeschreibliche. Da fallen Tabus und blüht die Fantasie.
„Wir sehen nur, was wir zulassen können und was uns vertraut ist.
So haben die Bilder sehr viel mit uns selbst zu tun". Besser
ist die Bilderausstellung vom Hospiz-Verein Bergstraße kaum
zusammenzufassen, aber
Doris Kellermann
wünscht sich noch mehr: dass die
Bilder Brücken bauen zwischen den Menschen und ein bisschen über
die Stimmung des Künstlers verraten.
Die
Künstler, das sind in diesem, Fall Schüler der Klassen 5 bis 10,
die sich im Unterricht mit einem Thema auseinander gesetzt haben,
das sonst selten auf dem Lehrplan steht.
Gedanken
zu „Sterben, Tod und Auferstehung“ sind seit Freitag auf der Brücke
der Liebfrauenschule zu sehen: Die Galerie zeigt intensive Einblicke
in jugendliche Vorstellungswelten, in persönliche Fantasien und
kulturell wie religiös geprägte Glaubensmuster. Die Wahl der künstlerischen
Mittel war frei, und auch die vermeintlichen thematisch-verschraubten
Schranken der jungen Maler wurden kreativ aufgestoßen.
Dagmar
Dittrich, Kunsterzieherin an der Gernsheimer Johannes-Gutenberg-Schule,
ist von den Ergebnissen ihrer Schüler begeistert und überrascht:
„Der freie Umgang mit dem Thema war erstaunlich“.
Über
ihre Schwester Evelyne Karwath-Franz kam der Kontakt zum Bergsträßer
Hospiz-Verein zustande, der eine große Ausstellung zum
Welthospiztag 2003 plante, zu dem in Bensheim bis zum 4. Oktober
eine Reihe von Veranstaltungen geboten werden.
Die
Zusammenarbeit von Lehrern und Hospiz-Verein wurde auch von
LFS-Schulleiterin Dr. Barbara Mitterer überaus positiv bewertet.
Neben den Bildern aus Gernsheim zeigt die Ausstellung Themenblätter
und Collagen aus dem eigenen Haus, die von Pfarrerin Annette
Herrmann-Winter mit einer 10. Kasse bearbeitet wurden. Auf 15
Jugendliche wartete eine Religionsarbeit mit viel gestalterischer
Luft trotz thematischer Enge.
Heraus
gekommen sind seitenlange Interviews zu einem ,Leben nach dem
Tod", Reflektionen über „Sterbephasen“ und
kulturspezifische Formen der Trauer. Wie sich Religion, Herkunft und
Sozialisationsgeschichte der Jugendlichen in den Bildern offenbart,
gehört zu den interessantesten Aspekten der Ausstellung, in der
auch Bilder aus Simbabwe zu sehen sind: Kinder aus dem „Mary Ward
Children's Home“, einem ordenseigenen AIDS-Waisenhaus, haben ihre
Sicht auf verschiedene christliche Motive und Szenen zu Papier
gebracht und nach Bensheim geschickt.
„Was
verbindet die Menschen mehr als die Angst vor einem unwürdigen
Sterben?“, so die Ordensschwester Bernadette Takaendesa, die jüngst
bei einem Treffen mit dem Hospiz-Verein die Grüße aus Simbabwe überbrachte.
Die Kinder aus Simbabwe sind mit dem Tod vertraut und erleben das
Sterben der Angehörigen unmittelbar mit, berichtet
Doris Kellermann
, die das Kinderheim mehrfach besucht
hat.
Die
sensiblen Bilder der Ausstellung regen zum Nachdenken an und drücken
die Hoffnungen und Sehnsüchte von Maler wie Betrachter aus, die in
eine enge Beziehung zueinander treten. Insofern ist die Brücke
schnell geschlagen zwischen den Menschen und wird das für viele
Unbeschreibliche zu einem vielgesichtigen
Bild, in dem sich trotz seiner individueller Qualitäten
jeder wiederfinden kann. tr

(Foto: Thomas Neu)
ENTTABUISIEREN.
Eine Ausstellung des Hospiz-Vereins Bergstraße wurde am Freitag in
der Verbindungsbrücke zwischen der Liebfrauenschule und dem
Wohnheim der Maria Ward Schwestern eröffnet.
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