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Letzte Aktualisierung: 24.04.2012

   

Presseartikel zur Bilderausstellung 
(26. September bis 4. Oktober 2003)

Bergsträßer Anzeiger, 29. September 2003


Das Unbeschreibliche hat viele Gesichter
Was verknüpfen Jugendliche mit dem Tod? / Bilderausstellung des Hospiz-Vereins Bergstraße

Bensheim. Der Tod ist bunt und schwarz, laut und still, wirklich und abstrakt. Da sind Paradies und Hölle Türnachbarn, die sich nur in der Person des Empfangschefs unterscheiden. Da wird der Tod zur feierlichen Himmelfahrt und das kahle Friedhofstor zur letzten Lebenspforte. Da blickt einem das Jenseits ins Gesicht und offenbart sich das Unbeschreibliche. Da fallen Tabus und blüht die Fantasie.

„Wir sehen nur, was wir zulassen können und was uns vertraut ist. So haben die Bilder sehr viel mit uns selbst zu tun". Besser ist die Bilderausstellung vom Hospiz-Verein Bergstraße kaum zusammenzufassen, aber Doris Kellermann wünscht sich noch mehr: dass die Bilder Brücken bauen zwischen den Menschen und ein bisschen über die Stimmung des Künstlers verraten.  

Die Künstler, das sind in diesem, Fall Schüler der Klassen 5 bis 10, die sich im Unterricht mit einem Thema auseinander gesetzt haben, das sonst selten auf dem Lehrplan steht.  

Gedanken zu „Sterben, Tod und Auferstehung“ sind seit Freitag auf der Brücke der Liebfrauenschule zu sehen: Die Galerie zeigt intensive Einblicke in jugendliche Vorstellungswelten, in persönliche Fantasien und kulturell wie religiös geprägte Glaubensmuster. Die Wahl der künstlerischen Mittel war frei, und auch die ver­meintlichen thematisch-verschraubten Schranken der jungen Maler wurden kreativ aufgestoßen.  

Dagmar Dittrich, Kunsterzieherin an der Gernsheimer Johannes-Gutenberg-Schule, ist von den Ergebnissen ihrer Schüler begeistert und überrascht: „Der freie Umgang mit dem Thema war erstaunlich“.  

Über ihre Schwester Evelyne Karwath-Franz kam der Kontakt zum Bergsträßer Hospiz-Verein zustande, der eine große Ausstellung zum Welthospiztag 2003 plante, zu dem in Bensheim bis zum 4. Oktober eine Reihe von Veranstaltungen geboten werden.  

Die Zusammenarbeit von Lehrern und Hospiz-Verein wurde auch von LFS-Schulleiterin Dr. Barbara Mitterer überaus positiv bewertet. Neben den Bildern aus Gernsheim zeigt die Ausstellung Themenblätter und Collagen aus dem eigenen Haus, die von Pfarrerin Annette Herrmann-Winter mit einer 10. Kasse bearbeitet wurden. Auf 15 Jugendliche wartete eine Religionsarbeit mit viel gestalterischer Luft trotz thematischer Enge.  

Heraus gekommen sind seitenlange Interviews zu einem ,Leben nach dem Tod", Reflektionen über „Sterbephasen“ und kulturspezifische Formen der Trauer. Wie sich Religion, Herkunft und Sozialisationsgeschichte der Jugendlichen in den Bildern offenbart, gehört zu den interessantesten Aspekten der Ausstellung, in der auch Bilder aus Simbabwe zu sehen sind: Kinder aus dem „Mary Ward Children's Home“, einem ordenseigenen AIDS-Waisenhaus, haben ihre Sicht auf verschiedene christliche Motive und Szenen zu Papier gebracht und nach Bensheim geschickt.  

„Was verbindet die Menschen mehr als die Angst vor einem unwürdigen Sterben?“, so die Ordensschwester Bernadette Takaendesa, die jüngst bei einem Treffen mit dem Hospiz-Verein die Grüße aus Simbabwe überbrachte. Die Kinder aus Simbabwe sind mit dem Tod vertraut und erleben das Sterben der Angehörigen unmittelbar mit, berichtet Doris Kellermann , die das Kinderheim mehrfach besucht hat.  

Die sensiblen Bilder der Ausstellung regen zum Nachdenken an und drücken die Hoffnungen und Sehnsüchte von Maler wie Betrachter aus, die in eine enge Beziehung zueinander treten. Insofern ist die Brücke schnell geschlagen zwischen den Menschen und wird das für viele Unbeschreibliche zu einem vielgesichtigen Bild, in dem sich trotz seiner individueller Qualitäten jeder wiederfinden kann. tr  


(Foto: Thomas Neu)

ENTTABUISIEREN. Eine Ausstellung des Hospiz-Vereins Bergstraße wurde am Freitag in der Verbindungsbrücke zwischen der Liebfrauenschule und dem Wohnheim der Maria Ward Schwestern eröffnet.