Hospizhonig 2020

28. Okt 2020

Hospizhonig 2020

Die Bienen im Hospizgarten waren fleißig

Zwei Bienenstöcke hat der Bienenenzüchterverein 1861 Bensheim und Umgebung e.V. im Hospizgarten stehen. Unter der Obhut der Fachleute scheinen sich die Bienen sehr wohlzufühlen, zumindest waren sie in diesem Jahr sehr fleißig. Gegen eine Spende durfte der Honig in den Geschäften Fashion & More am Bensheimer Hospitalbrunnen und im Heppenheimer Stoffladen Hereinspaziert sowie in unseren Einrichtungen mitgenommen werden. Jetzt sind alle Vorräte aufgebraucht. Durch diese Aktion kamen in diesem Jahr Spenden von rund 1500 Euro zusammen. Grund genug, allen an dieser Aktion beteiligten unseren herzlichen Dank auszusprechen.

Für alle, die mehr über unseren Honig wissen möchten, hier ein Interview, das Lisa Felker, Koordinatorin für den Hospizgarten, im Sommer dieses Jahres mit Peter Dengler, dem 1. Vorsitzenden des Bienenzüchtervereins 1861 Bensheim und Umgebung e.V., und mit Benno Hellriegel, Mitglied des Bienenzüchtervereins und erfahrener Hobbyimker, über Bienen, Imkerei und den von den Imkern angelegten Bienenlehrpfad im Hospizgarten führte.

Felker: Herr Dengler, wie fühlen sich Ihre Bienen im Hospizgarten?

Dengler: Dieser Garten ist ein Paradies für unsere Honigbienen und zusätzlich ein Refugium für unterschiedlichste Bienenarten, das wie gerne pflegen und unterstützen. Die beiden dort angesiedelten Bienenvölker sind stark und haben die bisherigen milden Winter am Kirchberg gut überstanden. Auch das von der Wohngemeinschaft Bergstraße gebaute Wildbienen-Hotel wurde gut angenommen und ist nun eine schöne Nisthilfe für allerlei solitär lebende Wildbienen. Rund 80% der Wildbienenarten leben unter der Erde in unterirdischen Gängen. Deswegen sollte man konsequent und dauerhaft, die Randgebiete des Hospizgartens von Arbeiten wie Umgraben, Fräsen und anderweitigen Bodenbearbeitungen aussparen. Der Vielfalt der Wildbienen im Gartengelände wird das zugutekommen und die Bienen werden es Ihnen danken.

Felker: Man sagt, dass das trockene Klima der Natur sehr schade, leiden denn auch die Bienen unter dieser extremen Trockenheit?

Hellriegel: Honig-Bienen können sich sehr gut an klimatische Verhältnisse anpassen. Sie kommen üblicherweise mit Feuchte, Hitze und Kälte recht gut klar. Das diesjährige Frühjahr war früh recht warm und so haben sich die Bienenvölker rasch entwickeln können. Dabei regnete es auch gelegentlich und so konnten auch die Blüten früh austreiben. Wir ImkerInnen sagen bei solchen Rahmenbedingungen: “Es honigt gut“!

Felker: Es heißt, je zahlreicher, desto robuster ist ein Bienenvolk. Stimmt das?

Dengler: Ein Bienenvolk kommt mit relativ wenigen (5000-8000) Bienen aus dem Winter. Aber zur Blütezeit sollte es mindestens um das Vierfache angewachsen sein, um Nektar einzutragen. Wenn das Volk jedoch zu stark wird, möchte es sich teilen und schwärmt aus. Diese Teilung von Bienenvölkern ist ein ganz natürlicher Vermehrungsprozess und in „frühwarmen“ Jahren häufig der Fall. In diesem Jahr gab es an der Bergstraße daher viele solcher Schwärme und wir ImkerInnen bemühten uns, wenn wir davon erfahren haben, diese einzufangen, um dann mit ihnen neue Völker aufzubauen.

Felker: Und wie werden der Herbst und der Winter für die Bienen?

Hellriegel: Das ist nicht leicht zu sagen. Wir hoffen für die Bienen, für den Hospizgarten und auch für die Landwirte sowie für die Wälder natürlich auf Regen. Das Imker- oder Bienenjahr ist jetzt weitestgehend vorüber. Es wäre wünschenswert, wenn es im Winter dann mal wieder richtig kalt wird, denn die warmen Winter fördern die Ausbreitung der Varroamilbe. Das ist ein Parasit, der die Bienenbrut und die Bienen befällt und dann ganze Völker schwächt. Bei Minusgraden geht ein Volk ganz aus der Brut und wir können dann mit zugelassenen organischen Säuren erfolgversprechend behandeln. Lassen wir uns überraschen. Wir fühlen uns insgesamt jedoch gut auf die kälteren Jahreszeiten vorbereitet.

Felker: Gemeinsam mit Kooperationspartnern haben wir einige Bäume im Hospizgarten gesetzt und auch eine große Blühwiese angelegt. Freuen sich die Bienen darüber?

Hellriegel: Ja, das sind wunderbare Bedingungen für Bienen und Wildbienen. Die Wildbiene hat keinen so großen Flugradius wie die Honigbiene, die bis zu 3 km weit fliegt. Wildbienen brauchen daher gutes Futter in ihrer direkten Umgebung. Die Bienenweide, wie solch eine Blühwiese von ImkerInnen genannt wird, ist daher äußerst wertvoll.

Dengler: Es ist zurzeit überall viel zu trocken. Zugunsten der Bienenweide und damit auch der Bienen sollte im Spätherbst möglichst nachgesät werden, denn einige Samen brauchen die Kälte zum nächstjährigen Keimen. Eine solche Auffrischung tut der Wiese gut und nützt damit auch den Bienen. Wir unterstützen Sie gerne dabei.

Felker: Sie würden also sagen, insgesamt fühlen sich die Bienen wohl im Hospizgarten?

Dengler: Ja, superwohl! Und auch wir beide, Benno Hellriegel und ich, fühlen uns dort wohl. Wir sind beide bereits im Ruhestand und kümmern uns gerne um die Bienen an diesem schönen Standort. Dabei freuen wir uns auch, wenn wir Ihre engagierten KollegInnen von der Garten-Gruppe treffen und uns mit ihnen austauschen können. Die Entstehung dieses Bienenstandortes geht ja auf eine Idee unseres Vorstandsmitglieds Martin Weyrauch zurück, der das Projekt Bienenlehrpfad am Bensheimer Kirchberg bei der Umweltlotterie GENAU einreichte. Mit dem Glück eines Lottogewinns von 5000 Euro als finanzielle Starthilfe startete die Umsetzung des Projekts dann recht schnell und Hand in Hand. Der Bienenlehrpfad im Hospizgarten konnte sich dadurch und mit der Unterstützung seiner Kooperationspartner ganz wunderbar entwickeln. Wir Imker und unsere Bienenvölker haben zu danken für den schönen Standort, die schöne Umgebung, die netten und hilfsbereiten MitstreiterInnen. Wir erfreuen uns hier immer wieder aufs Neue an den sehr guten Imker-Bedingungen.

Felger: Welche Auswirkungen hat denn die aktuelle Corona-Krise auf die Bienen, auf Ihre Arbeit als Imker und Ihren Verein?

Dengler: Der Corona-Virus beeinträchtigt die Bienen nicht. Insofern läuft in der Bienenhaltung und -betreuung alles wie bisher. Wir ImkerInnen müssen natürlich auch mit entsprechendem Abstand arbeiten und sind daher nicht oft gemeinsam unterwegs, sondern lieber wechselweise und damit ohne Kontakt. Die Kommunikation untereinander und unser Austausch über die Bienenvölker erfolgte seit Beginn der Krise telefonisch. Auch die Vereinsarbeit unseres Bienenzüchtervereins hat sich verändert. Von April bis Juli fanden keine ImkerInnentreffen statt. Um trotzdem in Verbindung zu bleiben und zur gegenseitigen Information haben wir monatliche Video-Konferenzen durchgeführt. Das hat gut funktioniert. Unser 2. Vorsitzender Martin Zahn hat dem Verein seine technischen Möglichkeiten zur Verfügung gestellt, was sehr hilfreich war. Wir sind ihm dafür sehr dankbar, denn auf diese Weise konnten auch die Vorstandsbesprechungen weiter durchgeführt werden. Das war eine gute Lösung, um eine gewisse Zeit zu überbrücken. Aber im August haben wir dann wieder ein Treffen auf unserem Vereinsgelände durchgeführt. Mit einem Hygienekonzept, der Einhaltung von Abstand und jeweils eigenverantwortlicher Umsicht wurde das Treffen von den Mitgliedern zum gegenseitigen Austausch auch sehr gut angenommen.

Felger: Wie stehen Sie zu den angedachten Führungen über den Bienenlehrpfad im Hospizgarten, z.B. für Schulklassen, Ferienspielkinder und interessierte Gruppen?

Dengler: Grundsätzlich stehen wir dem sehr positiv gegenüber und freuen uns über dahingehende Anfragen. Aufgrund der Corona-Krise mussten wir schon vereinbarte Führungen leider absagen bzw. konnten dann keine mehr anbieten. Im August und September kamen aber bereits erste Interessierte wieder auf uns zu. Eine Führung über den Bienenlehrpfad kann man einfach direkt mit uns oder mit dem HospizVerein Bergstraße e.V. vereinbaren (Kontaktdaten siehe unten!).

Felker: Abschließend möchten wir noch wissen: Wie schmeckt der Hospizhonig vom Bensheimer Kirchberg?

Dengler: Wir schleuderten zwei Mal, im Mai und im Juni, Honig. Der Frühlingshonig schmeckt feinaromatisch, cremig, mit einer leichter Süße und dem Aroma von Obstblüte und etwas Akazie. Er ist zum Frühstück ein feiner Start in den Tag.

Der Sommerhonig bleibt länger flüssig und ist etwas dunkler. Er hat ein kräftiges Aroma von Edelkastanie.

Hier am Kirchberg finden wir eine großartige Mischung von ganz unterschiedlichen Aromen vor.

Felker: Und wieviel Honig haben die fleißigen Hospizbienen in diesem Jahr gesammelt?

Hellriegel: Die Ernte war gut. Es sind rund 300 kg zusammengekommen.

Felker: Herr Dengler, Herr Hellriegel, haben Sie herzlichen Dank für Ihr ehrenamtliches Engagement und für das nette und so informative Gespräch. Wir erleben die Zusammenarbeit mit Ihnen, Ihren KollegInnen und Ihrem Verein sowie auch mit allen anderen KooperationspartnerInnen als angenehm, offen, fachlich bereichernd und als segensreich für unseren Garten. Wie heißt es so schön: „Mit Bienen blüht das Leben“.

Vielen Dank im Namen der Hospizstiftung, unserer Gäste und auch im Namen vieler Bensheimer BürgerInnen.

Hospizhonig:

Der Hospizhonig wird von den Bensheimer ImkerInnen geschleudert und in Gläser abgefüllt, die dann von Hospizmitarbeitenden etikettiert und für die Abgabe bereitgestellt werden. Der Honig ist, solange der Vorrat reicht, gegen eine Spende erhältlich bei:

  • Hospiz Bergstraße, Kalkgasse 13, 64625 Bensheim, 06251 17528-0, E-Mail: post@hospiz-bergstrasse.de
  • HospizVerein Bergstraße e.V., Sandstraße 11, 64625 Bensheim, Telefon 06251 98945-0, E-Mail: post@hospiz-verein-bergstrasse.de
  • Hereinspaziert, Friedrichstraße 7, 64646 Heppenheim, Telefon: 06252 6589
    Fashion & More, Hauptstraße 86, 64625 Bensheim, Telefon: 06251 984437

Führungen über den Bienenlehrpfad im Hospizgarten:

Führungen für Gruppen und Interessierte werden nach Absprache vereinbart werden bei:

Bienenzüchterverein 1861 Bensheim und Umgebung e.V., Peter Dengler, Schloßstraße 34, 64625 Bensheim-Auerbach, Telefon 06251 75931, E-Mail: peter.dengler@imker-bensheim.de
HospizVerein Bergstraße e.V., Sandstraße 11, 64625 Bensheim, Telefon 06251 98945-0, E-Mail: post@hospiz-verein-bergstrasse.de

Impuls: M. Weyrauch, Schriftführer, Bienenzüchterverein 1861 Bensheim und Umgebung e.V.


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